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Warum zurück zu den Wurzeln
auch ein Weg in die Zukunft ist

Holz ist nicht nur ein moderner Baustoff, sondern stand immer schon hoch im Kurs. Und die Zimmerei Dufter in ist ein Unternehmen, das diesen Umstand in den letzten Jahren für solides Wachstum genutzt hat. Dabei ging es aber nicht um das reine Handwerk, sondern auch eine große Portion Erfindergeist, Geschäftssinn und ein bisschen Glück mit der Familie.

Wer von der Autobahn her nach Inzell rein fährt, sieht sie sofort rechts der Bundesstraße, die Firmengebäude der Gebrüder Dufter. Wir treffen dort Hubert Dufter, der ältere Bruder von Stefan und Franz Dufter. Zu dritt führen sie das Unternehmen seit den frühen 90er Jahren. Und es läuft, wie man an den Erweiterungsbauten auch ganz gut erkennen kann.

Mit einer klassischen Zimmerei hat der Betrieb schon seit Längerem weniger zu tun. Die Zimmerei selbst beschränkt sich, so Dufter, eigentlich nur noch auf den Nah- und Ortsbereich von Inzell. Zum einen, um auch in der Heimat präsent zu sein, zum anderen, weil die Firma auch einen Auszubildenden im Beruf Zimmerer beschäftigt.

Das Hauptgeschäft der Gebrüder Dufter ist die Holzbearbeitung mit speziell dafür entwickelten Maschinen. Sie sorgen dafür, dass Holz den klassischen Look einer gehackten Oberfläche bekommt. Zunächst haben die Dufters das tatsächlich noch von Hand erledigt, um dem Holz das begehrte Aussehen zu verleihen. Mit zunehmender Nachfrage war dann allerdings die Handarbeit schnell nicht mehr ausreichend rentabel. Passende Maschinen mussten her. Und die haben die Gebrüder Dufter kurzerhand selbst neu erfunden und entwickeln sie laufend weiter. Die Patente liegen bei der Inzeller Firma.

 

Auf die Frage, wie denn diese Maschinen funktionieren, lacht Hubert Dufter und sagt, dass das natürlich geheim sei. Denn in ihnen steckt das Know-how, gehackte Oberflächen und Nostalgieholz herzustellen, das auch den gehobenen Ansprüchen des Marktes genügt. Wir können sie nachher ja mal sehen, in der Werkstatt, meint Dufter. “Von der Weid’n”, fügt er bestimmt hinzu. Tja, sicher ist sicher. Und wer weiß, ob unser Fotograf aus der Nähe nicht vielleicht doch zu viele Details ablichten würde.

Durch die große Nachfrage wurde so aus der Zimmerei ein Lohnunternehmen mit Kunden, die praktisch aus ganz Europa kommen und genau das schätzen, was die Firma Dufter anbietet: Qualität in Holzbearbeitung.

Was uns wundert: Die Kunden kommen laut Dufter nicht nur aus Österreich, Frankreich oder Italien auf die Brüder zu, sondern auch aus den osteuropäischen Ländern, wie Ungarn, Slowenien oder Tschechien. Da taucht doch gleich die Frage auf, wie ein oberbayerisches Unternehmen mit eventuellen Konkurrenten aus Ländern mit (noch) niedrigeren Löhnen mithalten kann …

Die Antwort von Hubert Dufter überrascht nicht. Denn es geht nicht um das Lohnniveau, sondern um Innovation und Qualität. So gibt es ganz einfach kaum Mitbewerber, die auf diesem hohen Niveau Holz für diese Zwecke bearbeiten können.

Das Ergebnis der Arbeit überzeugt - die Oberflächen, die wir im Showroom zu sehen bekommen, sehen tatsächlich aus, wie aus einer anderen Zeit. Als Material noch teurer war, als Arbeitszeit; als die Handarbeit noch das Maß aller Dinge war. Und in dem Raum können wir förmlich fühlen, welch ein angenehmes Klima Holz schafft. Und entsprechend begehrt ist die Arbeit der Dufters und ihrer 20 Mitarbeiter.

 

Die Hauptverwendung finden die Holzprodukte dann für Häuser, die in Blockhausoptik verkleidet sind. Zum Teil ganze Feriendörfer. Aber auch innen überzeugen die Oberflächen aus Inzell. Ob für Vertäfelungen oder Saunaelemente und vieles mehr.

Drei Chefs, drei Brüder, ein Unternehmen - oder warum sich Streiten jetzt auch nicht mehr lohnt ...

Um so erfolgreich zu sein, braucht es am besten einen Chef, der weiß, was er will. Das Geheimnis, warum es bei Dufters mit drei Chefs so gut funktioniert, liegt offensichtlich in einer pragmatischen Weltsicht. Auf die Frage, ob es unter den Brüdern nicht auch mal Streit gibt, lächelt Hubert Dufter spitzbübisch und meint ganz lapidar: “Jetzt brauch ma as Streit’n a nimma ofanga.”

Wie weit soll die Expansion noch gehen, möchten wir von Dufter wissen. Darauf er wieder ganz nüchtern, dass er das heute noch nicht wissen könne. Es hängt einfach davon ab, wie gut es läuft. Hier in Inzell fühlt er sich dabei offenbar nicht nur wohl, weil es sein Zuhause ist. Auch die Expansionen seien, sagt er, von allen Seiten immer gut unterstützt worden. 2007, 2012 und 2017 war das. Und auch für die Zukunft sieht er da keine Schwierigkeiten. Und manchmal ist man einfach gezwungen, zu erweitern, wie zuletzt 2017 mit der großen Lagerhalle. Denn, so Dufter, für die Kunden muss einfach auf Lager sein, was sie wollen, sonst suchen sie sich einen anderen Anbieter, der liefern kann.

Die unternehmerische Flexibilität ist also auch - oder vielleicht besonders - bei Familienunternehmen sehr gefragt und erfordert Investitionen. Aber auch privat muss man als Unternehmer natürlich einiges leisten können. So hätte seine Frau schon auch einiges an Geduld aufbringen müssen. Aber, sagt er und winkt ab, es sei ja mit den Arbeitszeiten nicht so schlimm und auch am Wochenende oder feiertags müsste er ja nicht arbeiten.

Der Beruf des Zimmerers war nicht von Anfang an seine erste Wahl. Es war halt die einzige Lehrstelle, die damals noch frei war, erzählt Hubert Dufter. Aber die Liebe zum Holz und die Leidenschaft fürs Handwerk waren natürlich schon immer da. Sonst wäre es mit dem Erfolg auch nichts geworden.

Freilich weiß Dufter auch, dass es auf die Zufriedenheit seiner Mitarbeiter ankommt. Und so gibt es in diesem Unternehmen auch Zusatzangebote, die die gesamte Belegschaft gemeinsam nutzt, wie zum Beispiel eine Rückenschule. Mit dem Krankenstand hatten die Dufters aber noch nie Probleme.  Hubert Dufter versteht auch die Frage nicht so ganz, ob er denn oft Personalwechsel habe. Wenn man eine gute Arbeit hat, so erklärt er, dann geht man auch gerne hin. So viel selbstverständliche Zufriedenheit wirkt sicher ansteckend.

Mit dieser Firma - eine der wenigen, die eine solche Holzbearbeitung in Europa anbieten - steht ein weiteres Unternehmen auf der Liste der außergewöhnlichen Erfolgsstorys im Chiemgau. Und wieder müssen wir abschließend anerkennen, dass es einfach auf die Menschen und die Umstände ankommt. Und wenn man mit der Familie und dem Zusammenhalt noch das nötige Quäntchen Glück hat, dann kann auch der Erfolg kommen.