Nachhaltige Energieerzeugung

Verbesserung der Umweltbilanz bestehender Biogasanlagen und Einspeisemanagement

Rund 100 Biogas-Anlagen gibt es im Landkreis Traunstein. Deren Erzeugung von erneuerbarer Energie langfristig, über den Zeitraum der EEG-Förderung hinaus zu sichern, ist ein Kernziel dieses Projekts. Ebenso wollen die Projektpartner den Rohstoffeinsatz und die Wärmenutzung bestehender Anlagen optimieren. Die Nutzung der Flexiprämie auch für kleine Anlagen und die stärkere Einbindung von Abfallstoffen z.B. bei Gülleanlagen sind weitere Anliegen. Nach dem Vorbild der „Landstrom-Initiative“ in Rosenheim – hier kooperieren Biogasanlagen-Betreiber mit den Stadtwerken Rosenheim – ist auch die nachfrageorientierte Stromerzeugung und Netzeinspeisung für Biogasanlagen ein wichtiges Thema. Dies erfolgt in Form eines „virtuellen Kraftwerks“. Eine Querverbindung zum Projekt „Blühender Landkreis Traunstein“ soll helfen, die bisher ungünstige Ökobilanz von Biogas-Anlagen in Sachen Biodiversität und Trinkwasserbelastung durch Nitrat aufgrund des intensiven Maisanbaus zu verbessern.

Fachleute informierten sich über den Silphien-Anbau

Die Pflanze gilt als Alternative zum Mais bei der Energiegewinnung

Auf großes Interesse stieß die Exkursion zu Blühflächen der „Durchwachsenen Silphie“ nach Kirchweidach und Tüßling, zu der Kreisfachberater Markus Breier und das Regionalmanagement des Landkreises Traunstein eingeladen hatten. Die Pflanze hat in letzter Zeit verstärkt die Aufmerksamkeit der Fachwelt erregt, weil sie bei der Energiegewinnung als Alternative zum Mais gilt. Zudem entwickelt sie von Juli bis September eine große Blütenvielfalt – also gerade dann, wenn andere Pflanzen auf „Sparflamme“ geschaltet haben und Bienen sowie andere Insekten darben müssen.

In Kirchweidach begrüßte Landwirt Guido Mayer aus Oberleiten die interessierten Gäste. Er hat bereits positive Erfahrungen mit dem Anbau von Sonderkulturen gemacht und inzwischen weitere Teilflächen mit der Silphie bepflanzt. Die Pflanze wurde bislang vor allem mit Maschinen einzeln gesetzt. Dieser hohe Aufwand kann in Zukunft durch ein Qualitätssaatgut vermieden werden. Bei einem Mischanbau im ersten Jahr ist die Fläche zumindest für einen Teilertrag an Mais gut nutzbar.

Bei der „Durchwachsenen Silphie“ handelt sich um eine mehrjährige Kultur. Landwirte erhalten deshalb einen Bonus für den Anbau im Bereich von Wasserschutzgebieten. Die Wurzeln durchdringen den Boden bis in große Tiefe. Daher entzieht die Pflanze nachhaltig Nährstoffe, und das Grundwasser wird vor zu hohen Nitratwerten geschützt. Dennoch zählt die Fläche als Acker. Sie kann nach Angaben der Landwirte im Landkreis Altötting ohne größere Probleme auch wieder umbrochen werden.

Grundsätzlich bleibt die Pflanze im ersten Jahr noch relativ niedrig und blüht erst ab dem zweiten Jahr. Guido Mayer: „Der höhere Aufwand im ersten Jahr lohnt sich aber durchaus, wenn die Kultur danach mindestens fünf Jahre steht. In der Praxis hat sich gezeigt, dass es auch 10 bis 20 Jahre sein können.“ Zudem bestätigen Praxisberichte, dass die Pflanze sich gut durchsetzen kann. Bei guter Bodenvorbereitung sind auch Herbizidbehandlungen auf Dauer unnötig.

Guido Mayer berichtete, dass der Ertrag seiner bereits gut eingewachsenen Kulturen bei rund 70 Tonnen pro Hektar liege. Die Ernte erfolge bereits im September, also noch vor Beginn der Maisernte. Der Gasertrag sei zwar etwas geringer als bei Mais, was jedoch in guten Jahren durch eine höhere Erntemenge ausgeglichen werden könne. Das große Plus sei neben einem mehrjährig gut durchwurzelten Boden eine große Vielfalt an Insekten, die ab Juli bis zur Ernte reichlich Blüten finden.

Wer mehr über die „Durchwachsene Silphie“ wissen will, kann sich an den Kreisfachberater für Gartenbau und Landschaftspflege Markus Breier im Traunsteiner Landratsamt unter Tel. 0861/58-385 oder an Anton Bernauer vom Regionalmanagement des Landkreises Traunstein unter Tel. 0861/58-211 wenden.

​Besichtigungsfahrt nach Höllriegelskreuth zum Wasserkraftwerk Baierbrunn

Im Zuge der Ertüchtigung des Wehres Baierbrunn an der Isar wurde durch den Betreiber, die Bayernwerk AG, eine Fischaufstiegsanlage in Form eines Raugerinne-Beckenpasses und einer Rauen Rampe und eine Turbine zur Mindestwassernutzung eingebaut. Bei der Turbine handelt es sich um eine VLH-Turbine (Very Low Head).

Der Name „Very Low Head“ folgt aus der Eigenschaft der Turbine effizient erneuerbare Energie an Standorten mit sehr niedriger Fallhöhe (head) zu gewinnen, die bisher oft als ineffizient galten. Neben der Stromerzeugung trägt die VLH-Turbine auch ökologischen Aspekten Rechnung. Der Durchmesser des Turbinenlaufrades beträgt 3,55 m was zu sehr geringen Drehzahlen von 8-38 U/min führt. Während Fische bisher oft nur durch relativ ungeeignete Abwanderhilfen die Staustufen passieren konnten, können diese nun auch direkt durch die äußerst langsam drehende und mit niedrigen Strömungsgeschwindigkeiten arbeitende VLH-Turbine unbeschadet stromabwärts schwimmen. Darüber hinaus kann die Turbine aus dem Turbinenkanal geschwenkt werden um einen zusätzlichen Abflussquerschnitt bei Hochwasser freizugeben oder Geschiebe durchzuleiten.

Im Rahmen der Netzwerkarbeit zur Energieeffizienz Initiative Chiemgau organisierte die Wirtschaftsförderungs GmbH eine Besichtigungsfahrt zum Wasserkraftwerk Baierbrunn.