Elektromobilität im Landkreis Traunstein

Vorbildregion für vernetzte Elektromobilität als Ziel

Landkreise Traunstein und BGL erarbeiten bis Jahresende gemeinsames Konzept für Ausbau der Infrastruktur

Mit einer gemeinsamen Strategie zur Weiterentwicklung der Elektromobilität zwischen Chiemsee und Königssee wollen die beiden Landkreise Traunstein und Berchtesgadener Land eine bayerische Vorbildregion für umweltfreundliche Mobilität werden. Um den genauen Bedarf zu ermitteln und den Ausbau neuer Angebote und der nötigen Infrastruktur zielgerichtet und nachhaltig vorantreiben zu können, wird derzeit ein Elektromobilitätskonzept erstellt. Die Ergebnisse und Handlungsempfehlungen sollen bis Jahresende vorliegen. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesverkehrsministerium.

Um was es genau geht, stellten die beteiligten Experten bei einer Auftaktveranstaltung vor Vertretern aus Kommunalpolitik, Behörden und Tourismus im Siegsdorfer Festsaal vor. Traunsteins Landrat Siegfried Walch verwies auf die gute Zusammenarbeit beider Landkreise in verschiedenen Bereichen. Mit der Erstellung eines übergreifenden Konzepts für Elektromobilität wolle man „Insellösungen vermeiden“ und „konkrete, praxisorientierte Lösungsmöglichkeiten“, entwickeln, die zusammenpassen. Mit eingeschlossen sind dabei auch vernetzte E-Mobilitätsangebote für Unternehmen und besonders gefragte Tourismusziele.

Elektroboote machten den Anfang

Der stellvertretende BGL-Landrat Rudolf Schaupp erinnerte daran, dass bereits vor 100 Jahren auf dem Königssee aus Naturschutzgründen erstmals Elektroboote eingesetzt wurden, die in einer eigenen Werft gebaut werden. Sie sind bis heute ein Erfolgsmodell. Weniger Erfolg beschieden war dagegen der ersten, noch unausgereiften Generation von Elektrobussen im Markt Berchtesgaden, die ab 1991 nur zweieinhalb Jahre im Einsatz waren.

Auf den aktuellen Stand, Trends und Entwicklungen der Elektromobilität in Deutschland und Bayern ging Professor Dr.-Ing. Klaus Bogenberger von der Universität der Bundeswehr in München ein. Er unterschied vier historische Entwicklungsschübe der eMobilität von der industriellen Revolution seit 1850 bis zur aktuellen Situation seit 2006, die von den Themen Klimawandel und Finanzkrise beherrscht wird. Durch EU-weite Vorgaben zur Begrenzung des Kohlendioxid-Ausstoßes, geplante Baunovellen und neue Fördermöglichkeiten durch das Elektromobilitäts-gesetz stehe das Thema heute stark im Fokus der Politik.

Monitoring neuer Ladestationen empfohlen

Beim Ausbau der Ladeinfrastruktur empfahl Bogenberger ein stufenweises Vorgehen, das die Ergebnisse eines parallel dazu ablaufenden Monitorings zur Überwachung neuer Ladestationen miteinbezieht. Zu berücksichtigen sei ebenfalls die Übertragbarkeit bereits existierender E-Mobilitätsprojekte in Bayern wie „E-Wald“, das das E-Car-Sharing im ländlichen Raum vorantreibt oder die auch stark auf den Tourismus ausgerichteten Angebote der Modellkommune Garmisch-Parten-kirchen (e-GAP). Regionales Car-Sharing mit Elektrofahrzeugen gebe es aktuell bereits in Tittmoning, Waging am See, Laufen und Teisendorf, erklärte der Experte. In seine Überlegungen bezog Bogenberger auch Fakten zum Nutzungsverhalten von Elektrofahrzeugen und E-Bikes sowie Ladetechnologien mit ein. Der von der Regierung angepeilte Einsatz von einer Million Elektrofahrzeugen bis 2020 bedeute heruntergebrochen auf die beiden Landkreise 3.014 E-Mobile. Aktuell gebe es dort 724 Elektrofahrzeuge, Hybrid- und Plug-in-Hybrid-Kfz eingeschlossen.

Mobilitätslücken schließen

Die Aufgabenstellung und Ziele des neuen E-Mobilitätskonzepts stellten Dr.-Ing. Christoph Hessel und Dr.-Ing. Marcus Gerstenberger von der Firma gevas humberg & partner in München vor. So soll die Studie die Elektromobilität in die Regionalentwicklung miteinbinden, den Öffentlichen Personennahverkehr aufwerten und bestehende Mobilitätslücken schließen. Etwa durch neues Services für gemeinsame Auto- und Fahrradnutzung sowie Mitfahrgelegenheiten. Davon profitieren sollen sowohl Kommunen wie auch die zehn wichtigsten Betriebe und touristischen Top-Ziele der Region.

Insbesondere die Kommunen erhalten durch die Erhebung mittels Internet- und Fragebogenaktionen ein genaues Bild über die jeweiligen Strukturdaten und die Bestandssituation in Sachen ÖPNV und Elektromobiltät. Dazu kommen die Anforderungen an eine optimale Ladeinfrastruktur und Einsatz-möglichkeiten für Car-Sharing. Die Ergebnisse sollen auch mit Energieversorgern und Touristikern abgestimmt werden. Die Präsentation der Ergebnisse ist für Anfang 2018 vorgesehen.